Entwerfen WS 01/02

PROTO_TYP

AUFGABE

Das Entwurfsprogramm konzentriert sich auf die prototypische Entwicklung von Mobiliar. Wesentlicher Ausgangspunkt der Überlegungen ist die Nutzung des breiten Angebots an Rohmaterialien und Halbfabrikaten in den heimischen Baustoffmärkten. Der “Low-Budget-Anspruch” stellt sich damit zwangsläufig in dem Mittelpunkt des spezifischen Blickfeldes. Jedoch auch methodische Ansätze, wie z.B. Verfremdung und Zweckentfremdung, sind zu beachten. Dennoch sind die verwendeten Materialien nicht als Platzhalter zu betrachten. Gefragt ist letztlich eine gestaltorientierte Vorgangsweise, welche nicht im Bastelstadium endet, sondern eine konstruktive Entwicklung erfährt. Möbelgestaltungen können grundsätzlich als ureigene Architekturaufgabe betrachtet werden, wobei der Realitätsbezug einen besonderen Stellenwert hat: Mittels realer Materialien werden wirkliche Objektgestalten konstruiert, um anschließend von funktionstüchtigen menschlichen Körpern getestet zu werden. Die Arbeit am Modell in wahrer Größe führt dazu, daß die dem Material innewohnenden Möglichkeiten und Beschränkungen kontrolliert werden. Beim praktischen Umgang mit dem Material sollen einschlägige Entscheidungen getroffen werden. Auf diese Weise wird eine Auseinandersetzung mit Fragen zur Gestaltentwicklung gefördert. Das substantielle Zusammenwirken von Form, Material und Farbe ist schließlich eine Kernaufgabe der Raumgestaltung.

LEISTUNGSUMFANG

Eine Recherche nach Rohmaterialien und Halbfabrikaten stellt den Ausgangspunkt der Übung dar, welche als Grundlage für die zu erarbeitenden Konzepte dient. Die Entwurfsvorschläge sind in weiterer Folge im Maßstabsbereich 1:20 bis 1:1 anzusiedeln. Raumgestalterische Belange (Details, Bemusterungen, etc.) und der umgebende Raum sind im Maßstab 1:20 darzustellen. Es sind überdies Prototypen in wahrer Größe zu erarbeiten.

RESUMEE

Betrachtet man die vorliegenden Möbelentwürfe, so überrascht die Bandbreite der Arbeiten hinsichtlich Materialwahl und Entwurfsansatz. Installationsrohre mitsamt den seriell gefertigten Isolierungen mutieren zum beinahe selbverständlichen Liege- und Sitzobjekt, das sich sogleich im Garten wiederfindet, ohne dabei im wesentlichen verändert zu werden, wohingegen Bewehrungsstahl nahezu „blitzartig“ im Wohnzimmer erscheint und mitsamt dem verarbeiteten Absperrband sichtlich um Aufmerksamkeit bittet. Industrielle Gitterroste erfahren die Verwandlung zum luftigen Gartenstuhl und Fassadenplatten bringen kühle Noblesse an den heimischen Esstisch. Materialien aus dem Baumarkt neue Gestalten abzuringen, verlangt dem Entwerfenden Fantasie und Geschick ab. Tritt beides in Erscheinung entstehen zuweilen ungewohnte, nie dagewesene, mitunter sogar ungeahnte Möglichkeiten.