ao.Univ.-Prof.Dr. Bob Martens - Entwerfen SS16

Nachbar auf Zeit: Temporäre Behausungen im innerstädtischen Raum

 

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Ausgewählte Projekte:

> Stefanie Hartl
> Patrick Malitsak
> Mirjam Masoner
> Stefan Moosmann
> Irene Moser
> Jan Nicoli
> Maximilian Reichard
> Sven Wuttej

For a variety of reasons, a growing number of people find themselves temporarily without a home, a phenomenon which has become very obvious in the recent past. This design class is about developing so-called “short-term living solutions” in a city area, specifically in selected areas of the 4th district of Vienna. This task is to be seen against the backdrop of the precarious situation of homeless people and the social tensions linked to the arrival of refugees in the country. The participants are asked to create a temporary “new home”, explore the needs and requirements of being “temporary neighbours” time and look for solutions for the great number of unresolved issues linked to such a task. The concepts should involve wood/solid-wood construction methods. The participants are expected to account for the specific requirements of such temporary structures: rapid assembly and disassembly, winterproofing, supply and disposal. Participants will be able to choose between a number of locations in the 4th district (and adjacent districts), and the task involves developing a design solution for at least one of these locations.


AUFGABE

Eine wachsende Zahl an Menschen ist aus unterschiedlichsten Gründen vorübergehend ohne Wohnadresse. Dieses Phänomen ist in der jüngeren Vergangenheit erneut deutlich in den Vordergrund getreten. Im Rahmen des ggst. Entwerfenprogrammes gilt es vor diesem Hintergrund sogenannte "short-term-living-solutions" im innerstädtischen Wiener Raum, im Speziellen an ausgewählten Stellen des 4. Wiener Gemeindebezirkes zu entwickeln. Die prekäre Situation obdachloser Menschen, sowie die der über die Landesgrenzen drängenden Flüchtlinge mitsamt der damit einhergehenden sozialen Sprengkraft, sind als Hintergrund für die zu entwickelnden Unterkünfte zu sehen. Im Vordergrund der Betrachtung steht jedoch die Schaffung einer vorüber gehenden "neuen Heimat". Den Bedürfnissen eines zeitlich beschränkten Nachbarschaftsverhältnisses ist in konzeptueller Weise nachzuspüren und Lösungsansätze für die offene Anzahl an damit einhergehenden Fragestellungen sind jedenfalls zu suchen. Zu erarbeiten sind Konzepte, welche von einer Holzbau-weise/Massivholzbauweise Gebrauch machen. Den spezifischen Rahmenbedingungen, welche mit einer solchen Bauweise einhergehen, wie rascher Auf- und Abbau, Wintertauglichkeit, Ver- und Entsorgung ist ent-sprechend Rechnung zu tragen. Überdies werden im Rahmen des Programmes diverse konkrete Standorte im 4. Bezirk (und angrenzend) nominiert werden. Wahlweise ist eine Entwurfslösung für mindestens einen dieser Standorte zu erarbeiten.


RESUMEE

Betrachtet man die nun vorliegenden Entwurfsansätze fällt auf, dass zunächst nicht unbedingt die Herstellung einer billigen Behausung im Vordergrund der Überlegungen gestanden haben mag. Es scheinen vielmehr Formen des Lebens auf engstem Raum, sowie Fragen zur Wohn- und Aufenthaltsqualität gestellt und betrachtet. Die Idee rund um die Nachbarschaft auf Zeit muss denn auch mehr sein, als eine Verdichtung bekannter Containerhäuser, da diese nur all zu schnell - vor allem in höherer Anzahl aufgestellt - als bedrohlich wahrgenommen werden. So folgen vorliegende Projekte nicht selten dem Ansatz zur Schaffung eines Mehrwertes. Es werden Eigenschaften bereitgestellt, die nicht nur den künftigen Bewohnern zu Gute kommen sollen, sondern auch der bereits vorhandenen Nachbarschaft. Dem Verzicht auf Raum, auch wenn es nur städtischer Raum sein mag, wird demnach ein Zugewinn entgegen gestellt. Es werden überdachte Außenräume generiert, Treffpunkte und halböffentliche Begegnungszonen angedacht die zunächst einmal „Allen“ zugedacht sind. In diesem neuen öffentlichen Raum, so das gebaute Credo ist „für jeden“ Platz. Die darin angedachten baulichen Strukturen zeugen bei näherem Hinsehen denn auch von erstaunlicher Offenheit. Sie erweisen sich nicht als jene uns bekannten Unterkünfte, die sich dem Außenstehenden bewusst entziehen und sich vor ihm verschließen. Vielmehr scheinen sie absichtlich Interesse zu erregen und unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie verstecken sich nicht, sondern erwecken unsere Neugier. Vielleicht ist dies ein gangbarer Weg, uns die dringend notwendigen Behausungen aktiv näher zu bringen und Gebäude als auch Bewohner bereits zu einem Zeitpunkt zu integrieren, bevor Ausgrenzung und Ablehnung überhaupt es erst aufkommen vermag.

 

Stefanie Hartl
Blickpunkt

Gegenständliches Projekt basiert auf einer Reihe modularer Boxen, welche trotz verhältnismäßig geringer Grundflächenausdehnung (ca.7m²/Box) sowohl gemeinschaftlichen als auch individualisierbaren Aufenthaltsraum ermöglicht. Durch die gezielte Versetzung und vertikale Staffelung werden sowohl kommunikationsfördernde Gemeinschaftszonen, als auch auf Rückzug abzielende Individualflächen entwickelt und in Folge den Bewohnern überlassen. Solcherart entstehen sowohl Gruppenräume als auch Einzel- und Familienzimmer. Die Anordnung der einzelnen Gebäudeöffnungen erlaubt hierbei gezielte Durch- und Ausblicke und öffnet die kleinteiligen Einheiten darüber hinaus in Richtung des sie umgebenden Außenraumes. Das entstehende räumliche Gefüge „bewegt“ sich dabei entlang der Trennungsmauer von Belvedere und Schwarzenbergplatz und greift gezielt die Gestalt des Denkmals auf, ohne diese einfach zu replizieren.

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Patrick Malitsak
Minimal – Maximal

Vorliegender Entwurfsansatz reduziert sich auf den Gedanken zur Schaffung einzelner Kleinstwohneinheiten, welche sowohl Flüchtlingen, als auch Obdachlosen und bedarfsweise auch Studierenden ein temporäres Zuhause überlassen. Auf Grund des dichten Baumbestandes am Elisabethplatz wurden deren Positionen so gewählt, dass sie auch ohne Eingriffe in die vorgefundenen Lücken integrierbar sind. Es wurde hierzu ein Außenmaß von 3,5 x 4,0 Meter pro Wohneinheit festgelegt. Diese Kleinstfläche erweist sich zwar als räumlich beschränkt, öffnet aber dennoch Raum für individuell gelebte Innen- und Außenflächen innerhalb des städtischen Kontextes. Da es sich programmgemäß um temporäre Bauten ohne Kanalanbindung handelt, wurden darüber hinaus zwei Sanitärboxen mit WC und Duschen entwickelt. Ein zentral situiertes Koch- und Gemeinschaftsgebäude öffnet den Bewohnern Platz um zu kochen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten zu folgen. Am Standort Theresianum-Mauer fügen sich die Wohneinheiten erneut zwischen die einzelnen Baumkronen ein und werden mittels einer Außentreppe erschlossen auf der Oberkante der bestehenden Einfriedungsmauer angesiedelt.

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Mirjam Masoner
Level [UP!] - comm_UNITY

Vorliegendes Projekt greift auf eine Vielzahl an modularen Elementen zurück, welche sich sowohl in den Dienst von Sanitär und Küche, als auch Schlafzimmer (Zweibett- und Vierbettzimmer) stellen. Im Bereich des St. Elisabethplatzes wird eine durchgehende Plattform auf 3,50 Meter Höhe geschaffen oberhalb derer die einzelnen Module in einem vordefinierten Raster angeordnet werden. Dazwischen liegend eröffnen sich Freibereiche, welche gemeinsam genutzt werden können, sowie kleinere Loggien, die ausschließlich den jeweiligen Bewohnern zur Verfügung gestellt werden. In Summe werden zwei Wohneinheiten mit einem Platzangebot für bis zu 24 Bewohner geschaffen. Die Plattform selbst generiert im Erdgeschossbereich eine Überdachung, welche nicht zuletzt von den Betreibern einzelner Marktstände mitgenutzt werden kann. Am Standort Naschmarkt-Platz wird der Gebäuderaster gezielt verschoben und gedreht. Unterhalb der Plattform werden einzelne Module nur so weit positioniert, als eine Durchwegung noch gegeben ist. In den Räumen dazwischen wurden kompakte Büros, Kursräume, Gemeinschaftsräume, Ateliers und Ähnliches angedacht. Die Wohneinheiten an diesem Standort bieten Platz für bis zu 84 Personen.

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Stefan Moosmann
Synergie: Serielle Individualität / Temporäre Wohnbauten für hilfsbedürftige Menschen

Dieses Projekt greift in konsequenter Weise die Holz-Modulbauweise auf und eröffnet trotz seiner seriellen Charakteristik ein hohes Maß an Leichtigkeit und räumlicher Vielfalt. Auf Basis der Zuschaltung eines sekundären Systems wird eine wünschenswerte Komplexität erzielt, welche außerordentlich vielfältige Erscheinungsformen anzunehmen im Stande ist und gezielt auf unterschiedlichste urbane Räume zu reagieren im Stande ist. Fünf unterschiedliche Lösungen an fünf Standorten zeigen demnach Lösungen auf, welche mitunter auch die Grenzen gewohnter Wohnformen verlassen.

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Irene Moser
"Das Nest" für Großstadtnomaden

Das gegenständliche Projekt erweist sich als temporäre Behausung, die gezielt auf den vorgefundenen urbanen Kontext zu antworten gewillt ist. Einzelne Baukörper bestehen jeweils aus einer halböffentlichen Zone im Erdgeschoss und einer privaten Wohneinheit in den oberen Geschossen. Die Erschließung dieser einzelnen Wohngemeinschaften erfolgt über eine außenliegende Treppe. Kompakt angelegte Nassräume und zentral positionierte Installationswege verkürzen die Leitungsführungen und reduzieren die Kosten. Im Bereich der Elisabethkirche wird die Wohneinheit um eine halböffentliche Zone im Erdgeschoß erweitert, welche neben dem bestehenden Gemüsestand und dem Café auch ein Erstaufnahmezentrum und einen Multifunktionsraum beherbergt. Im Bereich des WKO-Parks wird durch die Baulichkeiten zugleich ein neuer Zugang zum Park definiert. Auch hier bietet die Erdgeschosszone Platz für ein Aufnahmezentrum, ein Café und einen Multifunktionsraum.

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Jan Nicoli
Kunterbunt

Vorliegendes Projekt greift gezielt den Maßstab des anschließenden Marktgebietes mit seiner Farbenvielfalt auf und führt diesen Ansatz bewußt weiter. Eingeschossige Holzbaumodule (ca. 5 x 10m) dienen hierbei als Wohn- und Schlafbereiche. Das nach innen geneigte Dach wirkt gezielt der üblichen Containererscheinungsform entgegen. Ein jeweils vorgelagerter Bereich regt zu unterschiedlichsten Nutzungen an, sodass vereinzelt auch Räume für Besprechungen und Sprachkurse zur Verfügung gestellt werden können. Um den Transport zu begünstigen, wird das Hauptmodul symmetrisch vorgefertigt und erst vor Ort zusammengesetzt.

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Maximilian Reichard
Unter der Brücke

Der gegenständliche Entwurfsansatz macht sich das Vorhandensein bestehender Verkehrsbauwerke radikal zu Nutze. Im speziellen Falle werden Wohneinheiten unter einer Brücke bzw. Unterführungen situiert und solcherart auf ein bereits bestehendes „Dach“ zurückgegriffen. Unter zu Hilfenahme eines eigens entwickelten Abhängesystems, welches die Problematik vorherrschender Körperschallemission zu lindern versucht, wird eine Reihe einzelner Module in unterschiedlichen Höhen zu einer lebendigen Wohnlandschaft assembliert. Hierbei werden den Bewohnern notwendige Einrichtungen für Nahrungsbereitstellung und Hygiene, sowie diverse Wohntypologien (Zwei- bis Achtbettzimmer und Familienräume) zur Verfügung gestellt.

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Sven Wuttej
AM DACH

Das vorliegende Projekt offeriert oberhalb einer vorhandenen baulichen Struktur, im speziellen jener der Garagen des „Bertha von Suttner Hofs“ einen neuartigen offenen und zugleich temporären Lebens- und Aufenthaltsraum. Diese gezielte Maßnahme der Nachverdichtung innerhalb einer vorgefundenen städtebaulichen Situation ermöglicht es darüber hinaus dem Bestand neues Leben und neue Perspektiven einzuhauchen. Wohneinheiten unterschiedlicher Größe werden dabei fast spielerisch auf den vorhandenen Baukörper aufgesetzt und gezielt räumlich gestaffelt. Durch das Mittel der Terrassierung werden weiterführend privatere und öffentlichere Räume geöffnet, die es nun für die künftigen Nutzer anzunehmen gilt.

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   Beratung: Dr. Wolf-Michael Tschuppik, Kontakt: www.rohtangarchitects.com
   Webdesign: multivitamedia Markus Piribauer, Kontakt: www.multivitamedia.com