ao.Univ.-Prof.Dr. Bob Martens - Entwerfen SS 08

"Off Grid" - Abenteuer: Lebensraum

 

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Ausgewählte Projekte:

> Enes Akaratovic
> Karl Jerneischek
> Manuel Koller
> Andreas Leithner
> Victoria Marek
> Philipp Wanivenhaus
> Marlies Weilandt
> Dominik Wiesinger

The design programme is devoted to autonomous residential buildings in areas devoid of infrastructure and unconnected to the grid which usually provides for a supply with power, water and sewage. The programme relates to a UK-based movement emerging as a response, inter alia, to the recent steep price increases in real estate in and around conurbations. This is not about a "revival" of an era without power, clean drinking water or heating. The programme aims at using contemporary and affordable technologies such as passive-house technology, solar-power technology, generators, water treatment plants, renewable energies and similar achievements to enable people to lead autonomous and ecologically-minded lives in almost any place without being dependent on energy and water utilities.
The design programme explores issues such as the impact of this new approach on the design of autonomous residences and potential changes in lifestyle resulting from living outside of conurbations but in reach of contemporary communication technologies.


AUFGABE

Das Entwurfsprogramm wendet sich dem Thema autonomer Wohnbehausungen im Abseits jeglicher infrastruktureller Ver- und Entsorgung zu. Wohnen also im Niemandsland, jedenfalls aber jenseits des so genannten „grid“ (engl. Raster), welcher für gewöhnlich die Energie- und Wasserver- und entsorgung bereit stellt. Das Programm bezieht sich dabei auf eine aus England stammende Bewegung, welche nicht zuletzt auf Grund der in jüngster Zeit explosionsartig angestiegenen Immobilienpreise in und rund um die Ballungszentren entstand. Dabei geht es jedoch nicht um die „Wiederherstellung“ einer Epoche ohne Elektrizität, sauberes Trinkwasser oder Heizung! Vielmehr sollen zeitgenössische und mittlerweile auch leistbare Technologien wie die Passivhaustechnologie, Solartechnologie, Generatoren, Wasseraufbereitungsanlagen, erneuerbare Energien und vieles mehr ein autonomes und bewusstes Leben jenseits der Abhängigkeit großer Energie- und Wasserversorger an nahezu jeder beliebigen Stelle ermöglichen.
Den Fragen, welchen Niederschlag diese neue und andersartige Herangehensweise auf die Gestaltung von derlei autonomer Behausungen ausübt und wie sich ein modernes Leben außerhalb der städtischen Ballungsräume jedoch in Verbindung mit zeitgenössischen Kommunikationstechnologien präsentiert, wird innerhalb dieses Entwurfsprogramm nachgegangen.


RESÜMEE

Es ließe sich rasch annehmen, dass die ausgearbeiteten Entwurfsvorschläge vordergründig eine "alternative Szene" bedienen würden, schließlich verbindet man nur allzu rasch ökologisches und nachhaltiges Agieren mit schwerfälligen und behäbig erscheinenden Bauweisen. Obgleich die einzelnen Projekte eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit sozialen und ökologischen Aspekten nicht scheuen, erscheinen die ausgearbeiteten Ergebnisse durchwegs leichtfüßig, spielerisch und einladend. Darüber hinaus ist in diesem Zusammenhang auf die Bewusstseinsbildung rund um die breit gefächerte Thematik von Ver- und Entsorgung der einzelnen Baulichkeiten anzuführen. Ein entsprechendes Vorgehen könnte in weiterer Folge nicht nur eine vermehrte Übernahme von Verantwortung herbeiführen, sondern womöglich auch zu einer Änderung hinsichtlich des Konsumationsverhaltens führen, ohne dabei gleichzeitig massiv Lebensqualität einbüßen zu müssen. Mit anderen Worten: es ist der vernünftige Umgang mit (natürlichen) Ressourcen, welcher im Vordergrund des Interesses steht. So führte die Beschäftigung mit den verschiedenen (Energie-) Quellen mitunter sogar zu einer Ästhetisierung derselben. Photovoltaik-Elemente werden nicht bloß (nachträglich) an der Außenhaut aufgebracht, sondern bereits zu einem frühen Zeitpunkt in den Entwurf mit einbezogen. Dabei kann und muss bereits frühzeitig Gebrauch gemacht werden vom Wissen über die benötigten Flächenausmaße und deren entsprechende Ausrichtungen. In ähnlicher Weise trifft dies auf die Thematik der Wasseraufbereitung zu. Das Wissen über die technischen Voraussetzungen führt dabei auch beispielsweise zu einer Berücksichtigung eventuell erforderlicher Volumina innerhalb einer Baukubatur oder gar sub terra. In gleichem Maße lässt sich dies auf das Thema "Windenergie" übertragen, wobei die Fragestellung "Was ist an Leistung erzielbar?" eine unverzichtbare Rolle spielt. Stichwort "autark" – Sonne und Wind sind zu gewissen Zeiten vorhanden und selbstverständlich "frei verfügbar" , dennoch erscheint es nur allzu deutlich, dass das Wissen rund um den Einsatz und die Implementierungsmöglichkeiten im Rahmen zeitgenössischer Architektur erst in den Ansätzen erforscht und untersucht wurde. Es bedarf mit Sicherheit nachfolgender Arbeiten auf diesem Gebiet, um dem ungeheuren Potenzial tatsächlich gerecht zu werden. Das Agieren „off grid“ kann dabei nur als Initialzündung verstanden werden.

 

Enes Akaratovic
Sun(p)roof

Das Projekt Sun(p)roof erweist sich als einfamilienhaus-ähnliche Unterkunft entlang der Nordküste des Golfs von Pula (Kroatien) - eines Landstriches, welcher bis zum heutigen Tage seine natürliche wie auch kulturelle Charakteristik weitgehend beibehalten konnte. Die tragende Idee für die vorgesehene Baulichkeit liegt dahingehend verankert, die solaren Einträge denkbar bestmöglich zu nutzen und dabei gleichzeitig eine Behausung zu schaffen, welche sich in die örtliche Bebauung und Landschaft integrieren lässt. Bewerkstelligt wird dies a priori durch die Schaffung eines Daches als elementarer Bestandteil des Gebäudes, welches mit Photovoltaikelementen einerseits und Solarkollektoren andererseits ausgestattet ist. Die spezifische Auslegung des Daches ermöglicht einerseits die gezielte Beschattung im Sommer wie auch den gewünschten solaren Eintrag während der Wintermonate. Zudem werden die Dachwässer gesammelt und aufbereitet.

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Karl Jerneischek
vertical TRAILER

Der Versuch sieht die Errichtung einer autarken Kleinstwohneinheit vor, welche seinem Nutzer größtmöglichen Komfort bei gleichzeitig geringem baulichen Aufwand offeriert. Der Begriff "autark" wird im Zuge der Errichtung des „vertical trailers“ überaus weit gefasst und fordert damit auch die vollständige Eigenleistung im Zuge der Errichtung ein. Das beigefügte Manual, die Arbeitskraft zweier erwachsener Personen, semiprofessionelles Werkzeug und ein finanzieller Kostenaufwand für das Material von unter 10.000 Euro sollen es ermöglichen die vorgesehene bauliche Struktur in Eigenregie zu bewerkstelligen.

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Manuel Koller
Hanghaus

Das projektierte Einfamilienhaus findet sich in die hügelige Landschaft des südlichen Burgenlandes eingebettet. Der oben liegende offene Wohnbereich wurde nach Süd-Westen hin mit großen Glasflächen versehen, wodurch ein gezielter Fernblick ermöglicht wird. Arbeitszimmer sowie Schlafzimmer und Hauptbad wurden auf selber Ebene nach Osten hin ausgerichtet. Über ein zentral angeordnetes Treppenelement gelangt man in den tiefer liegenden Teil des Hauses mit den beiden Kinderzimmern, welche durch ein gemeinsames Bad miteinander verbunden sind. Die beiden Räumlichkeiten werden durch eine vorgelagerte Terrasse entsprechend erweitert. Darüber hinaus wurden auf selber Ebene ein Wellnessbereich und die Haustechnikzentrale positioniert. Die „Off Grid“-Charakteristik des Hauses wird durch unterschiedliche, in einander übergreifende Systeme gewährleistet. Geheizt wird jedenfalls mit einer kombinierten Pelletsheizung, welche zugleich die Stromversorgung übernimmt. Richtung Süden ausgerichtete Solarpaneele an Wand und Dach sorgen darüber hinaus für die Warmwasseraufbereitung. Anfallende Regenwässer werden für das Brauchwasser hinzugezogen.

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Andreas Leithner
Ikarus

Das Projekt IKARUS sieht die Konzipierung eines „schwimmenden“ Ferienhauses vor der Insel Zakynthos für etwa 2-4 Personen vor, welches Räumlichkeiten über als auch unter Wasser offeriert. Die interne Struktur der schwimmenden Plattform erfolgt unter spezieller Berücksichtigung der örtlichen klimatischen Bedingungen. Dabei wurde einerseits auf die Schaffung eines Raumes unter Wasser Wert gelegt, welcher als Rückzugsraum bei übermäßig heißen klimatischen Außenbedingungen fungieren soll und andererseits für entsprechende Verschattung an Deck gesorgt. Aufgrund der programmatischen Insellage findet sich die Baulichkeit im Abseits jeglicher Ver- und Entsorgungseinrichtungen ein. Neben einem Lagerraum unter Wasser ist es vor allem der zentral gelegene Energie-Technik-Flügel (ETF), welcher nicht nur den Betrieb der baulichen Struktur gewährleistet, sondern zugleich auch die charakteristische Gestalt prägt. Der mit Solar- bzw. PV-Modulen bestückte ETF kann dabei je nach Datum und Uhrzeit justiert werden und den maximalen Energieertrag erzielen. Die zentrale Anordnung des Flügels gewährleistet - aufgrund kurzer Distanzen - eine entsprechend wirtschaftliche Leitungsführung. Die Wasseraufbereitung erfolgt über eine Meerwasserentsalzungsanlage. Die Wasserentsorgung selbst wird durch eine Kleinstkläranlage bewerkstelligt. Den Strom für den Betrieb sämtlicher Anlagen liefert eine Windkraftanlage.

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Victoria Marek
Re-Muck

Re-Muck nimmt den Betrieb des ehemaligen Buschenschanks „Muck“ wieder auf und erweitert in um einige zusätzliche Funktionen. Die von zwei Personen autark bespielbare Baulichkeit findet sich in den Weinbergen des Bisamberges und versteht sich dabei primär als Labestation und Übernachtungsmöglichkeit für Radfahrer und Wanderer. Gezielt angelegte Gemüsebeete und Obstbäume erweitern den baulichen Rahmen. Eine in die Außenhülle integrierte Solaranlage und Photovoltaik-Module sorgen zusätzlich zu den solaren Einträgen für die benötigte Wärme als auch Energie. Die Wasserversorgung wird durch einen Brunnen und eine zusätzliche Regenwasseranlage bewerkstelligt. Das Gebäude selbst befindet sich teils unter dem anschließenden Erdniveau und wird von einem begehbaren Gründach überdeckt. Solcherart wird die bauliche Struktur während der Wintermonate „warm“ gehalten und im Sommer gekühlt.

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Philipp Wanivenhaus
ProjectSUN

ProjectSUN fungiert als Ferien-/Wochenendhaus in den Bergen (z.B. Postalm, Salzburg), welches sich durch eine autarke Energieversorgung auszeichnet. Die Erscheinungsform der Baulichkeit resultiert aus den jeweiligen Sonneneinstrahlwinkeln um die Mittagszeit. Die diversen Anstellwinkel der Solarpaneele ermöglichen dabei eine jeweilige 90°-Ausrichtung. Die durch Photovoltaikzellen wie auch ein Windrad erzeugte Energie wird dabei in Druckluft gespeichert und kann „on demand“ abgerufen werden. Der Technikraum hierfür wurde in einem kleinen Nebengebäude, welches zusätzlich Platz für einen Abstellraum anbietet, eingebracht. Das eigentliche Wohngebäude verfügt über einen großzügig dimensionierten zweigeschossigen Wohnraum mit Wohnküche. Drei weiterführende Schlafräume ergänzen das räumliche Angebot. Nach Außen hin erweist dich die bauliche Struktur weitgehend monolithisch. Lediglich die gezielten Fensteröffnungen erlauben gezielte Blicke auf die umgebende Berglandschaft.

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Marlies Weilandt
NEW SPACE AMAZON

Das Projekt sieht einerseits die Möglichkeit für einen Ressourcen schonenden Tourismus im Bereich des Amazonas vor. Andererseits offeriert es ansässigen Zivilisationen das Thema Fremdenverkehr als neuartigen Wirtschaftszweig. Um die notwendiger Weise nötigen Eingriffe in die vorgefundene Natur zu umgehen, wird der Fluss als „Baufläche“ deklariert und dessen Strömung zur Erzeugung elektrischer Energie genutzt. Die Wasseraufbereitung erfolgt unmittelbar vor Ort; die Entsorgung wird wöchentlich über ein entsprechendes Service-Schiff durchgeführt. Es entwickelt sich dabei eine Ansiedlung aus am Grund fixierten, autarken schwimmenden Einheiten für jeweils 2-4 Personen, welche touristische Mindestanforderungen erfüllen und dennoch nachhaltige Eingriffe weitestgehend hintanhalten. Durch gezielte Addition der einzelnen Einheiten und eine Programmerweiterung im Rahmen der Allgemeinflächen wie Shop, Lager, Schwimmbereich und Ähnliches mehr entsteht eine touristische Ansiedlung der „anderen“ Art.

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Dominik Wiesinger
Wohnen am laufenden Band

Die Baulichkeit stellt den Versuch dar, ein wandlungsfähiges und damit an die jeweiligen Familienverhältnisse adaptierbares Passivhaus zu entwickeln. Die lineare und modulare Bauweise erlaubt ein jederzeitiges nachträgliches Ergänzen und Rückbauen diverser einzelner Grundmodule, wodurch ein bedarfsorientiertes Wachsen und Schrumpfen ermöglicht wird. Die einzelnen Module schließen dabei an einen durchlaufenden nach Süden orientierten Basis- wie auch Erschließungsraum an, welcher der Baulichkeit seine prägende Gestalt verleiht. Südseitige Solarkollektoren und eine Vielzahl an technischen Überlegungen prägen die linear orientierte Wohnstruktur.

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   Beratung: Dr. Wolf-Michael Tschuppik, Kontakt: www.rohtangarchitects.com
   Aufnahmen: Markus Ziegelwanger, Kontakt: photographer@blax.at
   Webdesign: multivitamedia Markus Piribauer, Kontakt: www.multivitamedia.com